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Gemeinde Gomaringen (Druckversion)

Aktuell

Richtfest

Richtfest im künftigen Dienstleistungszentrum

Offenbar hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Bauamt das Wetter am Donnerstag vergangener Woche gleich mitorganisiert, denn pünktlich 10:30 Uhr hörte es auf zu schneien und Sonnenstrahlen brachen durch die Wolken. Die Baustelle war trotz winterlicher Bodenverhältnisse perfekt aufgeräumt, das Catering von Emmy Lindgrün aufgebaut, vom Dach grüßte der geschmückte Richtbaum und rund 100 geladene Gäste und Schaulustige blickten aus der Bahnhofstraße erwartungsvoll zur Nordfassade hoch – das Richtfest auf Gomaringens derzeit größter kommunaler Baustelle im Herzen der neuen Ortsmitte konnte beginnen.

Es war eine runde Sache. Bürgermeister Steffen Heß stand – „mangels Balkon“ – mit dem Ersten Landesbeamten Hans-Erich Messner sowie den beiden Architekten Thorismuth Gaiser und Albert Hörz im ersten Stock auf dem Gerüst ließ in seinem Grußwort die wichtigen Stationen Revue passieren.

Weitsicht und Vorstellungsvermögen des Gemeinderats

Auch wenn man sich das fertige Gebäude im Moment noch nicht abschließend vorstellen könne: Gemessen am gesamten Zeitrahmen, so Heß, habe man schon einen großen Schritt getan. „Dank der Weitsicht, des Vorstellungsvermögens und letztlich der Mittelfreigabe“ könne man heute gemeinsam das Richtfest feiern, begrüßte der Bürgermeister die Damen und Herren des Gemeinde- und Ortschafts. Mit der Erinnerung an den tollen Baustart im Sommer 2017 und der damaligen Hoffnung auf Fertigstellung im Sommer 2019 fuhr er fort. Doch trotz guter Vorbereitung machte viel Unerwartetes in der Rohbauphase gleich mehrere Striche durch die Rechnung, sodass der Umzug der Verwaltung nun zum Jahresende geplant ist. „Uns ist es wichtig, dass die Handwerker ihre Sachen solide und ohne zu hudeln abarbeiten können. Immerhin haben wir es mit einer sehr komplexen, denkmalgeschützten Baustelle im Bestand zu tun!“ Die offizielle Einweihung soll dann voraussichtlich im Januar 2020 stattfinden. Als Übergangslösung, bis die Planung für die Neugestaltung des Quartiers „Altes Rathaus“ steht, könne das alte Rathaus gern angemietet werden.

Als Highlight auf der Baustelle hob Heß das Rohbaukonzert Anfang September 2018 hervor, das Gomaringen via Deutschlandfunk bekannt machte. Auch die jüngste Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Richtfest dürfte bundesweit für einen gewissen Bekanntheitsgrad gesorgt haben.

Unterstützung bei der Finanzierung

Bekannt sind auch die Kosten der neuen „Ratsfabrik“: insgesamt 12,795 Mio. Euro. Davon machen der Innenausbau 390.000 Euro aus, die Außenanlagen 475.000 Euro und das Gebäude 8,175 Mio. Euro. Nebenkosten kommen in Höhe von 2,674 Mio. Euro hinzu. „Der Kostenrahmen“, so Heß, „ist auch unter Einbehaltung eines Puffers für Unvorhergesehenes nach wie vor eingehalten“. Planer Gaiser, der später mit Architekt Hörz einen Überblick zum Bautenstand vorstellte, konnte das auch für die restliche Bauzeit bestätigen. Die Leimbinder im 3. Bauabschnitt (zur Bahnhofstraße) sind nun eingebaut, das Dach ist dicht; der Umgang mit dem Bestand sei fast abgeschlossen. Die Gerüste könnten hier wohl im Frühsommer entfernt werden.

Auch der 2., mittlere Bauabschnitt ist im Rohbau fertig, hier werden die Leimbinder bis in einer Woche erwartet. “Nun kommt Abschnitt 1 (an der Lindenstraße) dran“, so Hörz. Der Innenausbau könne bis November fertig sein.

Das „große, zukunftsweisende Vorhaben“ habe die Gemeinde aber Gottseidank nicht allein stemmen müssen. Heß bedankte sich nochmals für die Fördermittel, und zwar 370.000 Euro aus dem Ausgleichsstock, 1,41 Mio. Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, rund 77.000 Euro vom Denkmalschutz sowie 100.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. In diesem Zusammenhang begrüßte er auch Christian Barth, den Leiter des Ortskuratoriums Neckar-Alb. Insgesamt bestünde jedoch für das Dienstleistungszentrum ein Fördermittelbedarf i. H. v.5,99 Mio. €. „Wir werden daher weiter am Förderball bleiben“.

Gute Nachbarschaft

Baumaßnahmen sind zwar immer zeitlich befristet, bedeuten aber stets eine Belastung der gesamten Nachbarschaft. Der Dank des Bürgermeisters ging daher an alle Nachbarn für die Zeit der Baustelle bisher, aber auch für die restliche Bauzeit. Aber auch die Baustelleneinrichtung klappte dank der Kooperation der Anlieger gut. Heß begrüßte in diesem Zusammenhang Ulf Hofmann, Geschäftsführer der Naturana, Werner Rockenbauch, Vorstand der VR-Bank Tübingen sowie Ralf Dieter von Dieter Immobilien, der das Anwesen Ilse-Graulich-Weg verwaltet. Dessen letzter Bauabschnitt entsteht derzeit gegenüber der Ostseite des Dienstleistungszentrums, sodass ein gewisses logistisches Geschick auf dem begrenzten Raum erforderlich war und ist.

Steffen Heß war es auch ein großes Anliegen, sich bei den Menschen am Bau zu bedanken: „Als gelernter Schreiner möchte ich besonders die Handwerker hervorheben, die bei Wind und Wetter auf der Baustelle gearbeitet haben!“ Dank galt auch dem Rathausteam, den Planungsbeteiligten und der Polizei. Aus Reutlingen war Polizeipräsident Prof. Alexander Pick zu Gast.

Eine gute Nachbarschaft wird wohl auch die Zukunft des Dienstleistungszentrums prägen. „Man kann die Rolle des Dienstleistungszentrums in der neuen Ortsmitte nicht genug hervorheben“, so der Bürgermeister. Die Gemeinde Gomaringen betreibt seit über 20 Jahren mit großem Erfolg die städtebauliche Erneuerung des Ortskerns.

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, die vorhandene, erhaltenswerte Bausubstanz zu modernisieren, die Wohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern und die allgemeine Funktionsfähigkeit und Attraktivität der Ortsmitte zu erhöhen“. Damit würde auch dem Ziel „Innen- vor Außenentwicklung“ Rechnung getragen. „Das Dienstleistungszentrum wird allein schon räumlich der Dreh- und Angelpunkt, sozusagen Kopf und Herz der Achse Schloss – Schlossscheuer – Lindenstraße – Bahnhofstraße werden“. Und es sei ein weiterer Baustein der Sanierungsprojekte in der Ortsmitte, der mit dem Erwerb des Schlosses vor 25 Jahren und dessen Sanierung begann. Die Freiraumgestaltung im Quartier soll dieser Rolle auch und gerade für die Gomaringer Bevölkerung gerecht werden. Die inzwischen vorliegenden Planentwürfe werden bei der Einwohnerversammlung am 21. Februar vorgestellt.

„Leuchtturm-Projekt“ im Landkreis

Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats warf Bürgermeister auch schon mal einen Blick in die Zukunft im Inneren des Gebäudes: Es gäbe bereits eine tolle und moderne Planung, wie hier die ehemalige Kindlersche Fabrik und die Menschen, die über viele Generationen mit ihr lebten und arbeiteten, in einer „kulturhistorischen Inszenierung“ gewürdigt werden könnten. Dann würde das Gebäude künftig auch einen kulturhistorischen Mehrwert sowohl als „Leuchtturm“ im Landkreis Tübingen als auch für die Identifizierung der Gomaringer Bevölkerung beinhalten.


Hans-Erich Messner, Erster Landesbeamter im Landkreis Tübingen, bestätigte und würdigte in Vertretung von Landrat Joachim Walter nicht nur diese Rolle des künftigen Dienstleistungszentrums, sondern auch die seit 20 Jahren mit „Weitblick und Erfolg“ vorangetriebene städtebauliche Entwicklung des Gomaringer Ortskerns. „Gomaringen goes future“ würde man wohl neudeutsch sagen. Allen am Bau Beteiligten sprach er zudem die Herausforderungen rund um den Bau als
„Herkulesaufgabe“ zu. „Diesen durchaus auch holprigen Weg“, so Messner, “sind wir als Baurechts- und Denkmalschutzbehörde gerne mitgegangen, und wir haben gemeinsam mit der erfreulich kompromissbereiten Vertreterin des Denkmalschutzes manche Hürden übersprungen“.

Bevor es dann im beheizten Rohbau an die Suppentöpfe ging, rundete Matthias Schlageter den Festakt mit Richtspruch der Firma Brodbeck ab. Mit seinem Bauteam hoch oben auf dem Gerüst und dem traditionellen Glas Rotwein erbat er Gottes Segen für das Haus; die Scherben des herabgeworfenen Glases sollen vor Unheil schützen.


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